Der Vorstand der Knorr-Bremse AG: Frank Markus Weber, Dr. Claudia Mayfeld, Bernd Spies, and Dr. Jürgen Wilder (von links nach rechts)

Brief des Vorstands an die Aktionäre.

Liebe Leserinnen und Leser,

für unsere Kunden, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für unser Unternehmen war 2021 erneut ein Jahr mit großen Herausforderungen. Kaum eine Branche konnte sich den Auswirkungen der weltweiten Corona-Pandemie entziehen. Global wurden Aufträge verschoben und es kam zu Verzögerungen und massiven Schwankungen in den Lieferketten. In dieser schwierigen Situation haben sich die Geschäftsmodelle unserer beiden Divisionen Schienen- und Nutzfahrzeuge einmal mehr als resilient und krisenfest erwiesen. Unser Umsatz legte bei einem hohen Ergebnisbeitrag deutlich zu und wir konnten neue Rekordniveaus beim Auftragseingang und Auftragsbestand erreichen. Diesen Erfolg verdanken wir ganz wesentlich unseren rund 30.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit, die trotz der schwierigen Rahmenbedingungen dieses Ergebnis ermöglicht haben. Für ihren großartigen Einsatz bedanken wir uns ausdrücklich.

Dieses Engagement und der Wille zum Erfolg entspricht der Vision unseres langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Mehrheitsaktionärs Heinz Hermann Thiele. Sein überraschender Tod am 23. Februar 2021 war ein einschneidendes Ereignis für uns alle. Herr Thiele prägte das Unternehmen über Jahrzehnte, er legte den Grundstein und formte Knorr-Bremse zum international erfolgreichen Weltmarktführer. Seine unternehmerische Leistung ist einzigartig. Gemeinsam werden wir den erfolgreichen Wachstumskurs von Knorr-Bremse fortsetzen – in unserem Kerngeschäft und durch strategische Investitionen in neue Märkte sowie in profitables Wachstum.

Bevor wir auf die Ergebnisse des vergangenen Geschäftsjahres eingehen, lassen Sie uns auf die Gegenwart im Frühjahr 2022 schauen: Wir als Vorstand der Knorr-Bremse sind entsetzt über den russischen Krieg in der Ukraine und verurteilen die Angriffe Russlands auf das Schärfste. Russlands Krieg ist nicht nur ein Angriff auf ein freies Land, er ist auch ein Angriff auf unsere Demokratie und unsere freiheitlichen Werte in Europa. Wir haben deshalb bereits wenige Tage nach Kriegsausbruch vorläufig alle Lieferungen mit Endbestimmungsort Russland bis auf weiteres auf Eis gelegt und werden nur im Rahmen der bestehenden Vertragsverhältnisse zur Abwendung von Schadensersatzansprüchen und der jeweils gültigen Sanktionsregelungen Lieferungen aufnehmen – und auch nur von Produkten und Bauteilen, die nicht militärisch nutzbar sind.

Außerdem wollen wir ganz konkret den betroffenen Menschen in der Ukraine und den Geflüchteten helfen: So haben wir als Unternehmen 500.000 Euro gespendet und zusätzlich jede Spende von unseren Mitarbeitenden noch einmal verdoppelt. Durch die hohe Beteiligung in der Belegschaft sowie durch großzügige Einzelspenden konnte wir so mehr als € 1,2 Mio. einsammeln. Mit diesem Geld unterstützen wir die Ukraine-Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes und von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben zudem in Deutschland und in den Nachbarländern zur Ukraine zahlreiche Initiativen gestartet, um den Menschen im Kriegsgebiet und den Geflüchteten zu helfen. Ein großartiges Engagement, das wir unterstützen und auf das wir stolz sind.

Auch wenn die Folgen des Krieges in der Ukraine noch nicht vollumfänglich und abschließend abzuschätzen sind, wollen wir an die guten operativen Ergebnisse des vergangenen Jahres anknüpfen: Im Geschäftsjahr 2021 haben wir in unserer Division RVS (Schienenfahrzeuge) wichtige Verträge mit den führenden Herstellern (OEMs) auf der ganzen Welt abgeschlossen. Neben vielen anderen möchte ich den großen U-Bahn-Vertrag mit Stadler in Berlin und den Citadis-Ausrüstungsvertrag mit Alstom hervorheben. Beide sind langjährige Kunden unserer Rail-Sparte, und ihre Zuschläge für Knorr-Bremse sind ein klares Zeichen für unsere enge Partnerschaft.

In unserer Division CVS (Nutzfahrzeuge) konzentrierten sich unsere Bemühungen auf Innovationen und den Ausbau unserer Position in den Bereichen Sicherheit, E-Mobilität, Effizienz und automatisiertes Fahren. Wir konnten auch hier große Erfolge erzielen: So haben wir mit einem der führenden europäischen Lkw-Hersteller einen neuen Großliefervertrag im Wert von rund € 1 Mrd. unterzeichnet. Mit dem Global Scalable Brake Control System haben wir zudem eine leistungsfähige und flexible Plattform für unsere Kunden geschaffen, welche die Grundlage für das automatisierte Fahren bildet.

Auch im Bereich neuer Wachstumsmärkte waren wir erfolgreich: So konnten wir für RVS erste Pilotprojekte und Aufträge im Bereich Digitalisierung gewinnen, wie zum Beispiel den Kooperationsvertrag mit der Deutschen Bahn zur gemeinsamen Nutzung von Daten aus dem Zugbetrieb sowie den Data-Analytics-Vertrag mit Siemens zum Remote Condition Monitoring der Klimasysteme von Regionalzug-Flotten in Großbritannien. Der Erwerb einer Minderheitsbeteiligung am Start-up Autobrains wiederum stärkt unsere Kompetenz in wichtigen Zukunftsthemen. Die Videoerkennungstechnologie des K.I.-Unternehmens beruht auf selbstlernenden Algorithmen und wird der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen sowie dem hochautomatisierten Fahren in der Nutzfahrzeugindustrie wichtige Impulse geben.

Größeres Wachstum als unsere Märkte sowie eine widerstandsfähige Profitabilität – das sind die wesentlichen Säulen unserer Equity Story. Und die Zahlen sprechen für sich: Der Umsatz von Knorr-Bremse legte im Gesamtjahr 2021 mit einem Plus von 9 % auf rund € 6,7 Mrd. deutlich zu. Das EBIT fiel mit € 916 Mio. um gut 13 % höher aus als im Vorjahr.

Mit einer operativen EBIT-Marge von 13,5 % konnten wir eine beeindruckende Profitabilität erreichen und einen starken Free Cashflow von € 600 Mio. erzielen. Der Auftragseingang legte deutlich um 13 % auf ein neues Rekordniveau von rund € 7,3 Mrd. zu, und auch der Auftragsbestand stieg um 12 % auf fast € 5,6 Mrd. und somit ebenfalls auf ein Rekordniveau. Mit diesen Ergebnissen haben wir unsere Prognose für das Geschäftsjahr 2021 erreicht. Angesichts dieser Leistung schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung vor, eine um 22 % erhöhte Dividende in Höhe von € 1,85 pro Aktie zu zahlen.

Trotz der weltweiten Auswirkungen der Corona-Pandemie und der nur langsamen Erholung des Schienenverkehrs erzielte unsere Division RVS mit rund € 3,3 Mrd. stabile Umsätze. Dabei betrug die operative EBIT-Marge 17,9 %. RVS hat im Jahr 2021 wichtige Verträge mit den großen Erstausrüstungskunden auf der ganzen Welt abgeschlossen, wir erwarten daher im laufenden Jahr einen Wachstumsimpuls. Mit einem Umsatzanstieg von 20 % auf rund € 3,4 Mrd. war unsere Nutzfahrzeug-Division CVS der Haupt-Wachstumstreiber des vergangenen Jahres. Dabei konnte auch die Profitabilität der Division mit einer operativen EBIT-Marge von 10,7 % deutlich verbessert werden.

Insgesamt verfügt Knorr-Bremse also über ein herausragendes Finanzprofil mit starker Profitabilität, hoher Liquidität, einer grundsoliden Bilanz sowie einem klaren Wachstumspfad. Doch 2022 wird für uns erneut ein herausforderndes Jahr – so wie für die meisten Unternehmen weltweit. Neben den geopolitischen Unsicherheiten und den dramatischen Folgen des Krieges in der Ukraine, sind wir weiterhin mit Problemen in den internationalen Lieferketten und den Auswirkungen der gestiegenen Inflation konfrontiert. Mit einer hohen Kostendisziplin und weiteren Maßnahmen, die unser Geschäftsmodell sichern, gehen wir diese Herausforderungen konsequent an.

Die Aussichten für 2022 stehen unter dem Vorbehalt weitestgehend stabiler Wechselkurse, keiner signifikanten Rückschläge durch die Corona-Pandemie und stabilen geopolitischen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Mögliche negative Auswirkungen auf die geschäftliche Entwicklung durch den Krieg in der Ukraine können noch nicht abschließend bewertet werden. Vor diesem Hintergrund erwarten wir aus heutiger Sicht für das Geschäftsjahr 2022 einen Umsatz zwischen € 6,8 Mrd. und € 7,2 Mrd., eine operative EBIT-Marge von 12,5 % bis 14,0 % sowie einen Free Cashflow zwischen € 500 Mio. bis € 600 Mio.

Qualität und Innovation sind die Eckpfeiler unseres Erfolges, sowohl unsere Technologieführerschaft als auch unsere Innovationskraft werden wir kontinuierlich ausbauen. Um die aktuellen Megatrends weiterhin mit Innovationen zu bedienen, steigerten wir auch im Geschäftsjahr 2021 den Aufwand für Forschung und Entwicklung weiter, er wuchs um fast 9 % auf über € 431 Mio.

Auch mit unseren ehrgeizigen Klimazielen haben wir einen äußerst wichtigen Meilenstein erreicht: Die weltweiten Knorr-Bremse Standorte arbeiten seit Ende 2021 CO2-neutral. Wir sind sehr stolz auf diesen wichtigen Erfolg, werden hier aber nicht stoppen. Wir sind mit unserem Ziel, unsere CO2-Emissionen bis 2030 zu halbieren, voll im Plan und konnten bis 2021 bereits mehr als 65 % gegenüber 2018 einsparen.

Sie sehen: Knorr-Bremse ist klar auf Kurs. Wir arbeiten eng mit unseren Kunden – darunter die weltweit führenden Unternehmen in ihren Branchen – zusammen, um aus einer Position der Stärke eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Wir freuen uns darauf, dieses Ziel mit Ihnen gemeinsam zu verfolgen.

München, 30. März 2022

IHR FRANK MARKUS WEBER
VORSTANDSSPRECHER, FINANZVORSTAND

Frank Markus Weber – Finanzvorstand (CFO) und Sprecher des Vorstands der Knorr-Bremse AG